ActionScript(ur) – Flash Kalligrafisch

Donnerstag, 02. April 2009

Für ein Webprojekt im künstlerischen Bereich beschäftigten wir uns mit der Frage, wie man in Flash Formen erzeugen kann, die möglichst kalligrafisch anmuten. Die Faszination ist hier wieder das freundschaftliche Händeschütteln von zwei, auf den ersten Blick scheinbar gegensätzlichen Diziplinen: Design und Programmierung.

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Download der Quelldateien (AS 2.0)

Die Aufgabenstellung ist denkbar einfach – schon deshalb, weil man eine relativ klare Vorstellung des anvisierten Ergebnisses hat. Jeder Designer, der im Grundstudium noch einen Typografen der „alten Schule“ als Professor genießen durfte, wird sich vielleicht an eine der ersten kalligrafischen Übungen erinnern: Das Zeichnen und Schreiben mit Tusche und den unterschiedlichsten Materialen als Schreibwerkzeug – von Rohrfeder bis zur abgebrochenen Dachlatte.

Ob mit Tusche auf Tapete oder per Script auf Pixelraster – am Ende steht man immer vor den gleichen ästhetischen Fragen. Wann sieht das Bild interessant aus? Wann ist es spannend, wann langweilig? Wann ist es fertig?

Warum sind diese Fragen für einen Designer gerade in Bezug auf den gescripteten Ansatz so interessant? Weil es manchmal für Momente so scheint, als könnten die Antworten durch die Programmierung an Klarheit und Schärfe gewinnen. Man beginnt zu erahnen, mit welcher Begeisterung Euklid am goldenen Schnitt geforscht haben musste.

Nach dem – für einen visuellen Menschen – oft eher quälenden Marathon des Scriptens übernimmt man dann endlich das Steuerpult mit ein paar wenigen, aber mächtigen Justier-Schrauben. Die kleinste Veränderung einer Variable entscheidet über Duktus, Länge, Schwung, Radius und den Grad an Chaos oder Ordnung in der Visualisierung.

Und genau hier beginnt das endlose Spiel, für das sich die Kopfschmerzen gelohnt haben: Was, wenn ich eine Regel setze, dass der Strich immer zur Mitte der Gesamtstrecke dicker wird? Was, wenn der Schwung immer abhängig von der Länge eines Strichs ist? Wird es spannender, wenn ich weniger oder mehr, kürzere oder längere Striche mache? Wann wirkt es wie ein Schriftzeichen, ein Symbol? Wann wird es chaotisches Gekritzel? Wann wird das Auge geführt, wann irritiert?

Was aber für die Auseinandersetzung mit den Fragestellungen noch entscheidender ist: Das Programm kann innerhalb kürzerster Zeit unendlich viele Varianten der Form innerhalb der festgelegten Regeln erzeugen. Wenn mich ein Ergebnis überzeugt, kann ich so sehr schnell hinterfragen: Ist es nur zufällig gut – oder weil es bestimmten Gesetzmäßigkeiten folgt? Oder ist es gut, weil die Gesetze den Zufall erlauben?